Der Europäische Igel (Erinaceus europaeus) gilt in Deutschland nach der Roten Liste der Bundesländer in mehreren Regionen als bestandsgefährdet. Gärten sind für Igel bedeutsame Lebensstätten: Sie bieten Nahrung, Schutz und mögliche Winterquartiere. Die Qualität eines Gartens als Igelhabitat hängt von einigen konkret beeinflussbaren Faktoren ab.
Warum der Igelbestand zurückgeht
Zu den dokumentierten Ursachen zählen der Verlust von Lebensraum durch zunehmende Versiegelung, der Einsatz von Pestiziden und Schneckenkorn (Metaldehyd) sowie der stark befahrene Straßenverkehr. Glatte, höhere Zaunfüsße ohne Durchschlupf isolieren Gartenflächen und verhindern Wanderbewegungen.
Igel sind Einzelgänger mit einem Streifgebiet von mehreren Hektar. Ein einzelner Garten deckt dieses Gebiet nicht ab; wichtig ist die Vernetzung zwischen mehreren Flächen.
Igelkot als Indikator: Kleinen, dunkelgrauen, fast zylindrischen Kotballen mit sichtbaren Insektenresten weisen auf regelmäßige Igelbesuche hin. Das ist ein verlässliches Zeichen, dass der Garten als Nahrungsrevier genutzt wird.
Praktische Maßnahmen im Garten
Totholz und Laubhaufen anlegen
Ein Haufen aus Reisig, Totholz und Laub in einer ruhigen Ecke des Gartens — idealerweise unter einem Strauch oder Baum — bietet potenzielle Überwinterungsquartiere. Wichtig ist, solche Strukturen ab Oktober nicht mehr zu bewegen. Laubrechen führt dazu, dass Igel sich kaum noch eingraben können.
Igeldurchschlüpfe im Zaun
Eine Öffnung von etwa 13 x 13 Zentimetern am Boden eines Holz- oder Maschendrahtzauns reicht aus, damit ein Igel passieren kann. Diese Maßnahme ist kostenfrei und verbessert die Vernetzung mit Nachbargärten erheblich. In einigen deutschen Städten gibt es bereits Initiativen (u.a. in Münster und Freiburg), bei denen Nachbarn gemeinsam solche Öffnungen einrichten.
Keine Fallen, kein Gift
Metaldehyd-haltige Schneckenkörner gefährden Igel direkt, da die Tiere vergiftete Schnecken fressen. Eisenphosphat-basierte Mittel gelten als weniger problematisch, sollten aber ebenfalls sparsam eingesetzt werden. Insgesamt reduziert eine chemikalienfrei gestaltete Gartenfläche die Sterblichkeit erheblich.
Wasser und Zufütterung
Flache Wasserschalen werden von Igeln genutzt. Bei der Zufütterung gilt: Katzenfutter (ohne Fisch, keine süßen Bestandteile) oder spezielles Igelfutter aus dem Fachhandel sind geeignet. Milch dagegen vertragen Igel nicht — sie sind laktoseintolerant. Zufütterung sollte nur in Ausnahmefällen (später Herbst bei untergewichtigen Tieren) erfolgen, nicht regelmäßig.
Gefähren im Garten
- Rasenmulcher und Balkenmacher: Igel verstecken sich in Gras, Gefahr beim maschinellen Mähen
- Abflussöffnungen und Kellerschachte ohne Ausstiegsmöglichkeit
- Teiche ohne flache Uferzonen (Ertrinken)
- Netzabdeckungen über Kompost oder Teichen (Igel verfangen sich)
- Lagerfeuer auf Laubansammlungen (Winterquartier)
Beobachtung und Dokumentation
Eine Kamera mit Nachtsichtfunktion (Wildkamera) an wahrscheinlichen Wechseln zeigt, ob Igel regelmäßig den Garten nutzen. Diese Informationen sind auch für lokale Igelschutzvereine nützlich, die in vielen deutschen Städten ehrenamtlich Bestandserfassungen durchführen.
Quellen
- NABU: Igelschutz im Garten
- BUND: Lebensraum für Igel
- Bundesamt für Naturschutz: Artenschutz in Deutschland